Bewertungsmethoden: Die Lizenzpreisanalogiemethode

Marken gehören in vielen Unternehmen zu den wertvollsten Assets allein der Wert der Marke Apple überschritt im Jahr 2024 die Billionen-Dollar-Marke. Entsprechend wichtig ist die Bewertung immaterieller Vermögenswerte im Kontext von Unternehmensbewertung und KAufpreisallokation. Dabei spielen diverse Methoden eine Rolle, unter ihnen die Lizenzpreisanalogiemethode, auch bekannt als „Relief-from-Royalty-Methode. Diese bietet einen strukturierten Ansatz zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte und leistet somit ihren Beitrag zu einer höheren Transparenz in der Bilanzierung. Wir beschreiben die Grundidee, erklären, was man für die Durchführung benötigt und beleuchten die Eignung für die Anwendung in IFRS und im Steuerrecht.
Peter Schmitz
am
11.11.24
6
Min Lesezeit

Lizenzpreisanalogiemethode eine kurze Einordnung

Die Lizenzpreisanalogiemethode ist ein bewährtes Verfahren zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte, das auf kapitalwertorientierten Prinzipien basiert.

Sie findet insbesondere bei der Markenbewertung breite Anwendung, aber auch bei Patenten und Technologien. Ein typisches Einsatzgebiet ist die Kaufpreisallokation im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen gemäß den International Financial Reporting Standards (IFRS).

Auch für steuerliche Zwecke zieht man diese Methode häufig heran. Hierbei geht es darum, den Wert immaterieller Vermögenswerte zu ermitteln und somit eine korrekte Steuerbilanz zu gewährleisten.

Lizenzpreisanalogiemethode die Grundidee

Die Lizenzpreisanalogiemethode basiert auf einem einfachen Prinzip: Sie ermittelt den Wert eines immateriellen Vermögenswertes, indem sie die fiktiven Lizenzgebühren betrachtet, die ein Unternehmen zahlen müsste, wenn es diesen Vermögenswert nicht selbst besäße, sondern von einem Dritten lizenzieren müsste.

Diese fiktiv ersparten Lizenzgebühren stellen den Wertbeitrag des Vermögenswertes dar.

Um die Lizenzpreisanalogiemethode anzuwenden, sind zwei zentrale Schritte erforderlich:

  • Ermittlung einer angemessenen Lizenzrate: Es gilt, eine Lizenzrate zu finden, die unter marktüblichen Bedingungen (at arms length) zwischen unabhängigen Dritten vereinbart würde. Diese Rate muss die spezifischen Merkmale des immateriellen Vermögenswertes berücksichtigen. Hierzu gehören etwa dessen Nutzungsdauer, die geografische Reichweite und die Wettbewerbsintensität.
  • Festlegung der Basisgröße: Die Lizenzrate wird auf eine geeignete Basisgröße bezogen. Das ist etwa der Nettoumsatz, der durch die Nutzung des immateriellen Vermögenswertes erzielt wird. Diese Basisgröße dient als Grundlage für die Berechnung der jährlichen Lizenzzahlungen.

Der Wert des immateriellen Vermögenswertes ergibt sich schließlich aus dem Barwert der zukünftig eingesparten Lizenzzahlungen, also der Lizenzersparnisse nach Steuern. Dabei zinst man die zukünftigen Zahlungen auf den heutigen Zeitpunkt ab, um die Zeitwertminderung zu berücksichtigen.

Lizenzpreisanalogiemethode das braucht man zur Durchführung

Um den Wert einer Marke mithilfe der Lizenzpreisanalogiemethode zu ermitteln, benötigt man im Wesentlichen drei Dinge:

  • Eine detaillierte Finanzprognose, um abschätzen zu können, welche Ausgaben und Einnahmen mit der Marke verbunden sein werden.
  • Vergleichbare Beispiele von anderen Marken in Bezug auf Lizenzgebühren, Laufzeiten und spezifische Vertragsbedingungen.
  • Informationen über die Kapitalkosten  also den Abzinsungssatz , um zukünftige Lizenzzahlungen auf den heutigen Wert zu bringen.

In der Praxis geht man wie folgt vor:

Zunächst identifiziert man Lizenzen, die der zu bewertenden Marke ähneln. Dabei berücksichtigt man unter Berücksichtigung von Branche, Region, Markenart und Nutzungsdauer. Anschließend ermittelt man aus den gefundenen Lizenzen eine durchschnittliche Lizenzrate. Diese Rate wird dann auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst, um den Markenwert zu bestimmen.

Die Qualität der verwendeten Daten ist für die Zuverlässigkeit der Bewertungsergebnisse entscheidend. Insbesondere die Auswahl vergleichbarer Lizenzverträge erfordert eine sorgfältige Analyse und ein tiefgehendes Verständnis der jeweiligen Märkte und Branchen.

Eignung der Lizenzpreisanalogiemethode für die Anwendung in IFRS und Steuerrecht

Die Lizenzpreisanalogiemethode bietet einen methodisch einfachen Ansatz zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte. Sie erfordert im Wesentlichen eine Umsatzprognose, eine Lizenzrate und einen geeigneten Kapitalkostensatz.

Während die Wahl der Lizenzrate unter IFRS einen gewissen Ermessensspielraum zulässt, stellt sie im Steuerrecht eine deutlich größere Herausforderung dar. Die Gründe hierfür liegen in den unterschiedlichen Zielsetzungen beider Rechtsbereiche.

  • IFRS: Im Rahmen der International Financial Reporting Standards dient die Bewertung in erster Linie der Informationsvermittlung an die Kapitalmärkte. Hierbei steht das Prinzip der Vorsicht im Vordergrund. Solange die gewählte Lizenzrate plausibel erscheint und innerhalb eines angemessenen Rahmens liegt, sind die Gestaltungsspielräume für Unternehmen relativ groß.
  • Steuerrecht: Im Steuerrecht hingegen geht es um die Ermittlung der korrekten Steuerbemessungsgrundlage. Die Finanzbehörden prüfen die Angemessenheit der gewählten Lizenzrate sehr genau und legen dabei besonderen Wert auf das sogenannte at arm's length-Prinzip. Es stellt sicher, dass keine künstlichen Vorteile oder Nachteile gewährt werden und die Transaktion unter marktüblichen Bedingungen stattfindet.

Diskussionen mit den Finanzbehörden sind der Normalfall. Denn die Bestimmung einer marktgerechten Lizenzrate ist oft mit einer gewissen Subjektivität verbunden, weil es häufig keine direkt vergleichbaren Transaktionen gibt.

Überdies sind insbesondere bei konzerninternen Lizenzverträgen die Regeln des Transfer Pricing zu beachten. Hierbei geht es darum sicherzustellen, dass Gewinne nicht künstlich in Niedrigsteuerländer verschoben werden.

Und schließlich müssen die Steuerpflichtigen die gewählte Lizenzrate detailliert begründen und belegen. Das erfordert eine umfangreiche Dokumentation.

Fazit  die Lizenzpreisanalogiemethode im Kontext von Bewertungsmethoden

Die Lizenzpreisanalogie ist ein bewährtes Instrument für die Bewertung immaterieller Vermögenswerte, insbesondere wenn es darum geht, Marken, Patente oder Technologien zu quantifizieren. Indem sie den Wert eines Vermögenswertes an fiktiven Lizenzzahlungen misst, bietet sie einen transparenten und nachvollziehbaren Ansatz.

Die Methode lässt sich sowohl im Rahmen der internationalen Rechnungslegung (IFRS) als auch im Steuerrecht anwenden. Ihre Stärke liegt in ihrer relativen Einfachheit und der Möglichkeit, den Wert eines immateriellen Vermögenswertes auf eine konkrete finanzielle Größe zurückzuführen.

Allerdings ist die Anwendung herausfordernd: Die Bestimmung einer marktgerechten Lizenzrate ist oft nicht frei von einer gewissen Subjektivität, da vergleichbare Transaktionen selten sind. Zudem ist die Qualität der verwendeten Daten entscheidend für die Zuverlässigkeit der Ergebnisse. Im Steuerrecht unterliegt die Methode außerdem strengeren Anforderungen, vor allem hinsichtlich des at arm's length-Prinzips und der Dokumentationspflichten.

Fragen & Antworten

Tax Planning

Das Lizenzpreisanalogie-Verfahren ist ein Bewertungsansatz, der den Wert eines immateriellen Vermögenswerts wie einer Marke, eines Patents oder einer Technologie auf Grundlage hypothetischer Lizenzgebühren schätzt, die ein Unternehmen zahlen würde, wenn es den Vermögenswert nicht besitzen würde und ihn stattdessen lizenzieren müsste. Das Verfahren berechnet den Barwert zukünftiger Lizenzkosteneinsparungen, was den Beitrag des Vermögenswerts zum Unternehmenswert widerspiegelt. Es wird häufig zur Markenbewertung eingesetzt, insbesondere bei Kaufpreisallokationen nach IFRS und für steuerliche Zwecke.

Welche zentralen Schritte umfasst die Anwendung des Lizenzpreisanalogie-Verfahrens?
  1. Festlegung des geeigneten Lizenzsatzes: Schätzung eines hypothetischen Lizenzsatzes, den unabhängige Parteien in einem marktüblichen Geschäft vereinbaren würden, unter Berücksichtigung der Eigenschaften des Vermögenswerts, seiner Nutzungsdauer und der Marktbedingungen.
  2. Berechnung der Bemessungsgrundlage: Festlegung der Basis, üblicherweise der Nettoumsatz, der durch den Vermögenswert erzielt wird, auf den der Lizenzsatz angewendet wird. Anschließend werden die jährlichen Lizenzgebühren berechnet und auf den heutigen Wert abgezinst, um den Zeitwert des Geldes zu berücksichtigen.

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Welche Daten werden für die wirksame Anwendung der Lizenzgebührenbefreiungsmethode benötigt?

Für die Anwendung des Lizenzpreisanalogie-Verfahrens sind drei Hauptdaten erforderlich:

  • Eine Finanzprognose, die die mit dem Vermögenswert verbundenen Einnahmen und Ausgaben schätzt.
  • Vergleichsdaten zu ähnlichen Vermögenswerten hinsichtlich Lizenzgebühren, Vertragsbedingungen und Laufzeiten.
  • Die Kapitalkosten oder der Abzinsungssatz zur Berechnung des Barwerts der zukünftigen Lizenzgebühren.

Die Genauigkeit der Bewertung hängt stark von der Qualität dieser Daten ab, insbesondere von der sorgfältigen Auswahl vergleichbarer Lizenzverträge.

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Wie unterscheidet sich die Anwendung des Lizenzpreisanalogie-Verfahrens nach IFRS und Steuerrecht?

Nach IFRS zielt das Lizenzpreisanalogie-Verfahren darauf ab, nützliche Informationen für die Kapitalmärkte bereitzustellen und erlaubt Flexibilität bei der Auswahl des Lizenzsatzes, solange er angemessen ist. Im Gegensatz dazu erfordert das Steuerrecht eine strengere Einhaltung des Fremdvergleichsgrundsatzes, um künstliche Steuervorteile zu verhindern. Steuerbehörden überprüfen die Lizenzsätze häufig genau und verlangen den Nachweis, dass diese marktüblichen Bedingungen entsprechen. Transferpreisanforderungen gelten ebenfalls, insbesondere bei konzerninternen Lizenzverträgen, um Gewinnverlagerungen zu vermeiden.

Welche Herausforderungen sind mit der Anwendung des Lizenzpreisanalogie-Verfahrens verbunden?

Eine der Hauptherausforderungen beim Lizenzpreisanalogie-Verfahren ist die Bestimmung eines geeigneten marktüblichen Lizenzsatzes, was aufgrund des Mangels an direkt vergleichbaren Transaktionen subjektiv sein kann. Zudem ist eine hohe Datenqualität für zuverlässige Ergebnisse erforderlich, und die Auswahl von Vergleichswerten erfordert umfassende Marktkenntnisse. Das Steuerrecht stellt strenge Anforderungen, einschließlich umfassender Dokumentation zur Rechtfertigung des gewählten Satzes in Übereinstimmung mit dem Fremdvergleichsgrundsatz.

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