Zwei Ansätze zum CAPM für grenzüberschreitende Bewertungen ⎹ FRIDAY DIGEST

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Beim grenzüberschreitenden CAPM sind zwei Ansätze vertretbar: (1) Man geht von den Inputdaten entwickelter Märkte aus – etwa dem risikofreien Zinssatz und der Marktrisikoprämie für Deutschland – und addiert eine Länderrisikoprämie sowie eine Inflationsdifferenz, oder (2) man baut vollständig auf lokalen Inputdaten auf, in denen Länderrisiko und Inflation bereits enthalten sind. Kombinieren Sie diese Modelle niemals, indem Sie beispielsweise einen lokalen risikofreien Zinssatz mit einer Prämie für entwickelte Märkte mischen. Beachten Sie, dass die Länderrisikoprämie (CRP) nach Damodaran die Spreads für Staatsanleihen anhand der Aktienmarktvolatilität skaliert – der reine Anleihen-Spread ist also nicht der endgültige Wert.
#Länderrisikoprämie (CRP)
#Market Risk Premium (MRP)
#Capital Asset Pricing Model (CAPM)
#Weighted Average Cost of Capital (WACC)
Victor Breev
am
3.7.26
Fractional Product Lead (Valuation Pro-Produkte) bei der smartZebra GmbH. Zuvor Senior Manager im Bereich Bewertungsdienstleistungen bei PwC (PricewaterhouseCoopers) in Luxemburg.

Auf einen Blick

Grenzüberschreitende CAPM-Bewertungen folgen in der Regel zwei Ansätzen. Der Local-CAPM-Ansatz ermittelt den Diskontierungssatz auf Basis des risikofreien Zinssatzes und der Marktrisikoprämie des Ziellandes. Der Basisland-Ansatz geht von einem entwickelten Markt aus und ergänzt länderspezifische Anpassungen wie Länderrisikoprämien und Inflationsdifferenzen. Beide Ansätze können bei konsequenter Anwendung valide sein.

Einleitung

Das Kapitalkostenmodell basiert üblicherweise auf einem entwickelten Referenzmarkt, meist dem Land, in dem der risikofreie Zinssatz und Marktdaten leicht beobachtbar sind. Die Anwendung desselben Modells auf ein Zielunternehmen in einem anderen Land wirft eine grundlegende Frage auf: Wo fließt das Länderrisiko des Zielmarktes in das Modell ein?

Betrachten wir als Beispiel ein Unternehmen, das in Polen tätig ist. In der Praxis werden zwei in sich konsistente Ansätze verwendet.

Zwei Ansätze zum CAPM für grenzüberschreitende Bewertungen — Basisland + Anpassung vs. vollständig lokale Ableitung (smartZebra)
Komponente Basisland + Anpassung Vollständig lokale Ableitung
Risikofreier Zinssatz Nutzt einen reifen Referenzmarkt (z. B. Deutschland) Nutzt den risikofreien Zinssatz des Ziellandes
Marktrisikoprämie (MRP) MRP des reifen Marktes zzgl. expliziter Länderrisikoprämie Lokale MRP spiegelt die lokalen Marktbedingungen bereits wider
Länderrisiko Separat über eine Länderrisikoprämie (CRP) berücksichtigt In lokalen Zinssätzen und der Marktprämie enthalten
Inflationsanpassung Bei abweichenden Währungen ggf. separates Inflationsdifferenzial erforderlich Bereits im lokalen nominalen risikofreien Zinssatz enthalten
Typischer Anwendungsfall Grenzüberschreitende Bewertung, wenn Daten reifer Märkte bevorzugt werden Bewertung in Märkten mit verlässlichen lokalen Kapitalmarktdaten
Hauptrisiko Doppelzählung oder inkonsistente Länderanpassungen Lokale Inputs bei unzureichender Markttiefe

Option A: Basisland plus Anpassung

Dieser Ansatz leitet die Eigenkapitalkosten von einem entwickelten Referenzmarkt ab und fügt das zusätzliche Risiko Polens als separate, identifizierbare Komponente hinzu:

  • Ausgangspunkt ist der risikofreie Zinssatz des Basislandes, beispielsweise die Nullkuponrendite deutscher Staatsanleihen.
  • Addieren Sie die Marktrisikoprämie (MRP) des entwickelten Marktes, z. B. Deutschland, anstatt einer spezifischen Prämie für Polen.
  • Fügen Sie eine Inflationsdifferenz spiegelt die Lücke zwischen den Inflationserwartungen für den Euro und den Złoty wider. Da Polen nicht zur Eurozone gehört, ist dieser Faktor keine bloße Feinjustierung, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Berechnung, der sich vom eigentlichen Länderrisikoaufschlag unterscheidet.
  • Ebene A Länderrisikoaufschlag (CRP) kommt hinzu und erfasst das spezifische Risiko einer Geschäftstätigkeit in Polen, das über das Risikoprofil des Basislandes hinausgeht.
Ke = Rf(Deutschland) + β × [MRP(Deutschland) + CRP(Polen)] + Inflationsdifferenz

Option B: Vollständig lokale Ermittlung

Hier werden der risikofreie Zinssatz und die Marktrisikoprämie Polens direkt verwendet, da beide bereits die lokalen Bedingungen widerspiegeln. Da der risikofreie Zinssatz Polens in Złoty denominiert ist, sind die lokalen Inflationserwartungen bereits enthalten, weshalb keine separate Inflationsdifferenz angewendet werden muss. Das Länderrisiko ist ebenfalls bereits im risikofreien Zinssatz und der Marktrisikoprämie Polens enthalten, sodass kein zusätzlicher Länderrisikoaufschlag erforderlich ist.

Ke = Rf(Polen) + β × MRP(Polen)

Beide Ansätze sind vertretbar. Das Risiko liegt in ihrer Vermischung: etwa die Kombination eines lokalen risikofreien Zinssatzes mit einer Prämie für reife Märkte oder umgekehrt, ohne die daraus resultierende Diskrepanz explizit auszugleichen.

Ein weiterer Punkt, den man im Hinterkopf behalten sollte: Damodarans Daten sind eine gängige Quelle für den CRP bei der Anwendung von Option A. Seine Methodik leitet den CRP durch eine Aufwärtsskalierung des Ausfall-Spreads von Staatsanleihen ab, da Aktienmärkte in der Regel volatiler sind als Staatsanleihemärkte. Der Anleihe-Spread dient lediglich als Ausgangsgröße, ein beobachtbarer Proxy für das Länderrisiko aus dem Anleihemarkt, und der Skalierungsfaktor rechnet diesen in eine äquivalente Prämie für Aktieninvestoren um.

Keiner der beiden Ansätze ist universell korrekt. Entscheidend ist, einen davon konsequent anzuwenden und zu dokumentieren, welcher gewählt wurde.

Fragen & Antworten

Welcher CAPM-Ansatz sollte für grenzüberschreitende Bewertungen verwendet werden?

Sowohl der Ansatz mit Basisländeranpassung als auch der vollständig lokale CAPM-Ansatz können vertretbare Ergebnisse liefern. Die Grundvoraussetzung ist interne Konsistenz: Der risikofreie Zinssatz, die Marktrisikoprämie, die Inflationsannahmen und die Länderrisikoanpassungen müssen in sich schlüssig aufeinander abgestimmt sein.

Kann die Länderrisikoprämie zu einem lokalen CAPM hinzugefügt werden?

Grundsätzlich nein. Bei einer vollständig lokalen CAPM-Konstruktion ist das Länderrisiko bereits im lokalen risikofreien Zinssatz und der Marktrisikoprämie enthalten. Das Hinzufügen einer separaten Länderrisikoprämie würde das Risiko einer Doppelzählung bergen.

Warum spielt Inflation beim grenzüberschreitenden CAPM eine Rolle?

Inflationsunterschiede spielen eine wichtige Rolle, wenn sich die Bewertungswährung von der Währung des Referenzmarktes unterscheidet. Bei einem Ansatz, der auf einem Basisland basiert, kann ein Inflationsausgleich erforderlich sein, um die erwartete Differenz der Kaufkraft zwischen den Währungen zu berücksichtigen.

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