
Grenzüberschreitende CAPM-Bewertungen folgen in der Regel zwei Ansätzen. Der Local-CAPM-Ansatz ermittelt den Diskontierungssatz auf Basis des risikofreien Zinssatzes und der Marktrisikoprämie des Ziellandes. Der Basisland-Ansatz geht von einem entwickelten Markt aus und ergänzt länderspezifische Anpassungen wie Länderrisikoprämien und Inflationsdifferenzen. Beide Ansätze können bei konsequenter Anwendung valide sein.
Das Kapitalkostenmodell basiert üblicherweise auf einem entwickelten Referenzmarkt, meist dem Land, in dem der risikofreie Zinssatz und Marktdaten leicht beobachtbar sind. Die Anwendung desselben Modells auf ein Zielunternehmen in einem anderen Land wirft eine grundlegende Frage auf: Wo fließt das Länderrisiko des Zielmarktes in das Modell ein?
Betrachten wir als Beispiel ein Unternehmen, das in Polen tätig ist. In der Praxis werden zwei in sich konsistente Ansätze verwendet.
Dieser Ansatz leitet die Eigenkapitalkosten von einem entwickelten Referenzmarkt ab und fügt das zusätzliche Risiko Polens als separate, identifizierbare Komponente hinzu:
Ke = Rf(Deutschland) + β × [MRP(Deutschland) + CRP(Polen)] + Inflationsdifferenz
Hier werden der risikofreie Zinssatz und die Marktrisikoprämie Polens direkt verwendet, da beide bereits die lokalen Bedingungen widerspiegeln. Da der risikofreie Zinssatz Polens in Złoty denominiert ist, sind die lokalen Inflationserwartungen bereits enthalten, weshalb keine separate Inflationsdifferenz angewendet werden muss. Das Länderrisiko ist ebenfalls bereits im risikofreien Zinssatz und der Marktrisikoprämie Polens enthalten, sodass kein zusätzlicher Länderrisikoaufschlag erforderlich ist.
Ke = Rf(Polen) + β × MRP(Polen)
Beide Ansätze sind vertretbar. Das Risiko liegt in ihrer Vermischung: etwa die Kombination eines lokalen risikofreien Zinssatzes mit einer Prämie für reife Märkte oder umgekehrt, ohne die daraus resultierende Diskrepanz explizit auszugleichen.
Ein weiterer Punkt, den man im Hinterkopf behalten sollte: Damodarans Daten sind eine gängige Quelle für den CRP bei der Anwendung von Option A. Seine Methodik leitet den CRP durch eine Aufwärtsskalierung des Ausfall-Spreads von Staatsanleihen ab, da Aktienmärkte in der Regel volatiler sind als Staatsanleihemärkte. Der Anleihe-Spread dient lediglich als Ausgangsgröße, ein beobachtbarer Proxy für das Länderrisiko aus dem Anleihemarkt, und der Skalierungsfaktor rechnet diesen in eine äquivalente Prämie für Aktieninvestoren um.
Keiner der beiden Ansätze ist universell korrekt. Entscheidend ist, einen davon konsequent anzuwenden und zu dokumentieren, welcher gewählt wurde.
Sowohl der Ansatz mit Basisländeranpassung als auch der vollständig lokale CAPM-Ansatz können vertretbare Ergebnisse liefern. Die Grundvoraussetzung ist interne Konsistenz: Der risikofreie Zinssatz, die Marktrisikoprämie, die Inflationsannahmen und die Länderrisikoanpassungen müssen in sich schlüssig aufeinander abgestimmt sein.
Grundsätzlich nein. Bei einer vollständig lokalen CAPM-Konstruktion ist das Länderrisiko bereits im lokalen risikofreien Zinssatz und der Marktrisikoprämie enthalten. Das Hinzufügen einer separaten Länderrisikoprämie würde das Risiko einer Doppelzählung bergen.
Inflationsunterschiede spielen eine wichtige Rolle, wenn sich die Bewertungswährung von der Währung des Referenzmarktes unterscheidet. Bei einem Ansatz, der auf einem Basisland basiert, kann ein Inflationsausgleich erforderlich sein, um die erwartete Differenz der Kaufkraft zwischen den Währungen zu berücksichtigen.